Körperschemastörung Essstörung Körperneutralität

Körperschemastörung in der Essstörung (3/4) – Körperneutralität

Körperschemastörung

Wie oft stand ich vor dem Spiegel und war todunglücklich, über das was ich dort sah.
Der Zerrspiegel in meinem Kopf machte es mir unmöglich mich selbst richtig einzuschätzen.

Innerhalb eines Tages sah ich mich selbst dick wie eine Tonne und dann wieder normal bis „ganz ok“ aber nie so dünn, wie ich wirklich war.

Früher dachte ich, es sei Zufall, ob ich mein Spiegelbild leiden mag oder nicht. Doch je gesünder ich wurde, desto häufiger schenkte mir die Person im Spiegel ein Lächeln. Und je mehr sie lächelte, desto weniger verzerrt nahm ich mich selbst wahr.

Wie war das möglich?

Zum einen erholte sich mein Gehirn von der dauerhaften Mangelernährung (Einen Beitrag zum Thema Körperschemastörung und Gehirn findest du hier), zum anderen arbeitete ich daran ein gesundes Körperbild und mehr generelle Zufriedenheit mit mir selbst zu entwickeln, denn ein Phänomen, welches mir jedoch erst in meiner Recovery bewusst wurde, konnte ich schon immer beobachten: Umso besser meine Stimmung war, desto besser war auch mein Körperbild.

Auch heute noch gibt es Momente, in denen mein innerer Kritiker sicher nicht ganz realistisch auf meinen Körper schaut, aber das ist nicht mehr so wichtig, denn dann schicke ich ihn schaukeln und schenke ihm keine Beachtung mehr. 🙂

Ein paar Dinge, die mir dabei geholfen haben ein gesundes Körperbild und mehr Zufriedenheit mit mir selbst zu entwickeln, möchte ich dir im Folgenden gern mitgeben.
Vielleicht hast du ja Lust, das ein oder andere auch einmal auszuprobieren. Ich kann dir nur sagen es lohnt sich.

Mit Körperneutralität zu mehr Zufriedenheit

Körperneutralität, oder auch der weiter verbreitete englische Begriff „Body Neutrality” ist ein Konzept, welches den Fokus weg vom Körper, hin zu unserem Innenleben legt. Es bedeutet, sich nicht mehr hauptsächlich über das Aussehen des eigenen Körpers zu definieren, denn letztendlich ist er nur die Hülle in der unser wahres Ich – unsere Persönlichkeit – wohnt. Wir sind so viel mehr als die Muskeln, die Haut und das Fett, die unser Inneres umgeben.
Wir haben Interessen, Werte, einen Charakter, liebenswerte Eigenschaften und Eigenheiten, die uns zu der einzigartigen Person machen, die wir sind.

Wir sind nicht hier, um diese Welt mit unserem Aussehen zu dekorieren!
(Romy Hörbe)

Und wir müssen diese Hülle, die unser wahres Ich umgibt auch nicht direkt lieben, so wie es uns gerade überall weisgemacht wird. Wir müssen keinen Glitzer auf unsere Dehnungsstreifen malen, um zu zeigen, wie sehr wir sie akzeptieren. Wir müssen auch nicht unsere Cellulite tanzen lassen, um zu zeigen, wie sehr wir im Reinen mit unserem Körper sind, wie es uns die „Body Positivity” gerade als Gegenbewegung zum Körperhass weismacht. Zu denken, wir müssten auf einmal „Körperpositiv” eingestellt sein, erzeugt einen wahnsinnigen Druck, gerade wenn man aus einer Essstörung kommt und Herausforderungen wie die Gewichtszunahme und die damit einhergehenden Veränderungen erst annehmen lernen muss. Loszulassen und seinem Körper die Kontrolle zurückzugeben ist ein schwerer Schritt.

Ich selbst habe meine Recovery aus dem Untergewicht gestartet und eine der größten Ängste, die ich hatte war es, mein „Dünnsein” zu „verlieren”, für das ich jahrelang so hart gegen meinen Körper gekämpft hatte. Erst als ich bedrohlich wenig wog, war ich zum ersten Mal ansatzweise mit meinem Körper zufrieden und dachte, jetzt wäre ich endlich am Ziel angekommen. Ich fühlte mich trotz meiner Schwäche stark, denn in meiner Welt war ich dem Bild der „perfekt schlanken Frau”, wie ich es täglich auf Instagram sah, nun bedeutend näher.
Diesen Zustand und damit meinen Körper aufgeben zu müssen, war hart. Doch letztendlich war mir meine Gesundheit und eine glückliche Zukunft wichtiger, als dieser Körper, in dem ich depressiv, schlapp und tatsächlich nur noch eine Hülle ohne Innenleben war.

Doch gerade, wenn wir durch eine Essstörung nahezu vergessen haben wer WIR sind, ist es enorm viel verlangt, uns plötzlich in einen gesunden Körper zu lieben, der möglicherweise eben all seine natürlichen „Makel” wieder aufweist. Wenn du deine Recovery in einem „normalen” oder laut BMI übergewichtigen Körper startest, kann es ebenso hart sein und großen Druck auslösen zu akzeptieren, dass er nie so perfekt aussehen wird, wie der dieser super trainierten Influencer. Und das muss er auch gar nicht, damit du ihn akzeptieren lernen kannst.

Alle Artikel zur Körperschemastörung: Gehirn, Schönheitsideal, Körperneutralität und Selbstannahme

Romy Hörbe

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