Körperschemastörung Essstörung Magersucht

Körperschemastörung in der Essstörung – Schönheitsideal

“Warum sehe ich mich dicker als ich bin?”

Nachdem ich in meinem letzten Artikel die Veränderungen im Gehirn als einen möglichen Grund für eine Körperschemastörung beleuchtet habe, möchte ich dir hier einen weiteren Ansatz vorstellen, der die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers erklären kann.

Dazu habe ich ein kleines Szenario aus meinem Alltag vor drei Jahren:

Es ist früher Morgen, der Wecker klingelt, ich stehe auf und schlunze noch müde und mit schlaf verquollenen Augen ins Bad.

Ein Griff zum Handy – man hat ja beim Zähneputzen sonst nichts zu tun.

Warum nicht mal schauen, was der Rest der Welt so macht… Also Instagram geöffnet und losgescrollt.

Doch mit jedem Bild, das da auftaucht, passiert etwas in mir. Ich kann es gar nicht greifen, also scrolle ich weiter. Workout-Videos, Bilder von wunderschönen definierten Frauen bei bester Laune, Vorher-Nachher Erfolgsbilder und zwischendurch noch drei Diätwerbungen tauchen auf.

Mit der Bürste in der Hand schaue ich mit kritischen Augen in den Spiegel? Ich habe jetzt zwar saubere Zähne, aber meine Laune und mein Selbstwertgefühl sind bereits vor dem Frühstück, welches ich in Anbetracht meines (meiner Meinung nach) zu weichen, undefinierten, Bauches lieber ausfallen lassen sollte, im Keller.

Ich suche verzweifelt nach den definierten Muskeln, die ich gerade dutzendfach bei den anderen Frauen bewundern konnte und habe das Gefühl eine disziplinlose, unförmige Tonne zu sein. Der Spiegel ist bereits zehn Minuten nach dem Aufstehen mal wieder mein bester Feind geworden.

Kommt dir das bekannt vor?

Schönheitsideal und sozialer Vergleich

Neben den durch Mangelernährung ausgelösten Veränderungen im Gehirn, welche sich negativ auf unser Körperbild auswirken können, führt auch das aktuell vorherrschende Schönheitsideal und der soziale Vergleich, dem wir ständig und zunehmend ausgesetzt sind zu einer Verzerrung des eigenen Selbstbildes. 
Das in der Öffentlichkeit verbreitete Schönheitsideal beeinflusst, wie wir unseren eigenen Körper sehen. Wenn dicke Körper abgelehnt und unnatürlich dünne Körper gefeiert werden, ist es kein Wunder, dass die Diätindustrie boomt und Frauen (und zunehmend auch Männer) alles dafür tun, um dem kulturell bejubelten Körperideal zu entsprechen. Der Druck sich ständig selbst verbessern und optimieren zu müssen steigt. In den letzten dreizehn Jahren ist die Zahl der an Magersucht Erkrankten um 30 % gestiegen. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Möglichkeit sich selbst in den sozialen Medien zu vergleichen.
Seit Medienbeginn wurde uns vermittelt, was das aktuelle Schönheitsideal ist und welche Proportionen gerade „angesagt“ sind. Mal ist es der große Kardashian-Po, mal der sportlich-drahtige Schick einer Pamela Reif. Doch während wir früher in den Zeitungsladen gehen, oder den Fernseher anschalten mussten, um dieseIdeale“ zu sehen, sind wir heute in jeder freien Sekunde dem Dauervergleich ausgesetzt. 

Auf “dünn” programmiert

Besonders Instagram hat es möglich gemacht, dass man mit sogenannten Transformationsbildern, meistens im Sinne von „vorher dick – nachher dünn“, große Anerkennung bekommt. Immer mehr Influencer zeigen ihre halbnackten, perfekt trainierten und oftmals retuschierten Körper. Tausende Bilder prasseln so beim Scrollen durch unseren Feed auf uns ein und vermitteln unserem Gehirn dabei ein Bild davon, was erstrebenswert und „schön“ ist. 
Je perfekter der Körper und je größer der Gewichtsverlust ist, je mehr Muskeln und Körperdefinition gezeigt wird, desto mehr Anerkennung prasselt auf denInfluencer“ ein.
Positive Kommentare und Likes aktivieren zudem das Belohnungszentrum im Gehirn und sorgen zusätzlich dafür, dass wir ein genaues Bild davon vermittelt bekommen, wie wir aussehen müssen um be- und geliebt zu sein. 
Und so hat sich über die letzten Jahre ein zunehmend unrealistischeres Körperbild entwickelt, welches dazu führt, dass sich unsere Maßstäbe von Schönheit und Gesundheit immer weiter verschieben. 
Durch die ständige Konfrontation wird unserem Gehirn eine neue Normalität vermittelt, die für die meisten Menschen jedoch völlig unrealistisch und selten gesund erreichbar ist. 

Der Körper als Verantwortlicher für unsere Unzufriedenheit

Durch diese ständigen Botschaften steigt die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Es scheint, als würde nur noch unser Aussehen definieren, was für ein Mensch wir sind. Der Körper wird zum Symbol für Gesundheit, Disziplin und sogar innere Schönheit. 
Wie viel Photoshop, Posing, Verzicht und Selbstgeißelung oftmals hinter den perfekt inszenierten Bildern steckt sehen wir nicht. Was wir jedoch sehen ist unser eigener Körper in seiner ganzen Natürlichkeit. Und dieser scheint heutzutage so gar nicht mehr in das gesellschaftlich anerkannte Bild zu passen. Wir verurteilen uns für unsere Cellulite und unseren femininen weichen Bauch, obwohl dies die gesündesten und normalsten Dinge auf der Welt sind. Mindestens 85 % der Frauen sind von Cellulite betroffen. Es handelt sich hierbei um eine anatomische Normalität, die auch mit Sport und exzessiven Diäten nicht behandelbar ist.
Auch ich habe lange Zeit geglaubt, ich könnte mir die Dellen weghungern und abtrainieren. Doch bevor auch die letzte kleine Beule verschwand, begannen mein Gehirn und mein Herzmuskel um mein Leben zu kämpfen. Selbst mein niedrigstes Gewicht und absolute Sportsucht konnten der letzten kleinen Hautunebenheit nichts anhaben. Warum? Weil es NORMAL ist! Weil unser Bindegewebe von Natur aus so gebaut ist.
Und dennoch neigen wir dazu uns die Schuld dafür zu geben, wenn wir nicht perfekt sind. Wir machen unseren Körper für unsere Unzufriedenheit verantwortlich und denken, wenn wir nur endlich dünn genug, sportlich genug, definiert genug wären, DANN wären wir endlich glücklich und liebenswert. Genau so, wie wir es auf Instagram und Co vorgelebt bekommen.
Doch dieser Weg, auch das kann ich leider aus persönlicher Erfahrung sagen, funktioniert nicht! Wenn wir an einer Essstörung leiden, wird diese immer dafür sorgen, dass wir nie genug sind.

 

In meinem nächsten Beitrag möchte ich dir ein paar Ideen an die Hand geben, wie du ein besseres Körperbild entwickeln und dich von diesen negativen Prägungen lösen kannst.

Romy Hörbe

Bist auch du lebenshungrig und
bereit für dein Leben in Freiheit?

Lebensgenuss Newsletter

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top