Kalorienzählen – Was du dabei suchst aber nicht findest

Kalorienzählen als Zwang

Wie oft habe ich früher ins Regal gegriffen, nur um das jeweilige Lebensmittel umzudrehen und erst einmal die Nährwerte und Kalorien zu checken.
Stunden an Lebenszeit habe ich damit verbracht, die kalorien-, zucker-, oder fettärmste Variante eines Lebensmittels zu finden. Zahlen um Zahlen schwirrten durch meinen Kopf und das, obwohl Mathe immer mein Hassfach war. Aber in diesem einen Punkt war ich geradezu zwanghaft und wie ferngesteuert.

Doch was ich eigentlich suchte, waren nicht etwa die Zahlen. Nein! Es war das, was ich mit dem Überprüfen und Vergleichen dieser Zahlen zu erreichen glaubte.

Was mir Kalorienzählen versprochen, aber nicht gehalten hat

  1. Kalorien zu vergleichen und zu überschlagen (ich habe sie nie genau gezählt) gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich dachte, damit könnte ich kontrollieren, dass ich bloß nicht „zu viel“ esse.  Ich versuchte, das fehlendes Vertrauen in mich selbst und meinen Körper über die Zahlen auszugleichen.
  2. Es gab mir ein Gefühl von Kontrolle, die Zahlen im Blick zu behalten und die von meiner Essstörung gesetzte Grenze nicht zu überschreiten. Ich glaubte, die Zahlen zu kontrollieren, würde mir auch insgesamt ein Gefühl von Kontrolle in meinem Leben ermöglichen. Und tatsächlich fühlte es sich auch eine ganz Weile an wie echte Kontrolle. Aber wann immer ich die Zahlen nicht wusste oder meine eigens gesetzte Grenze überschritt, machte sich ein Gefühl von Panik in meiner Brust breit. Die Zahlen hatten begonnen, mich zu kontrollieren.
  3. Beim Versuch so perfekt wie möglich zu essen und zu sein, waren die Zahlen ein (vermeintlich) geniales Tool. Ich glaubte: Wenn ich die Kalorien nicht überschritt und die „optimalsten“ Nährstoffe zu mir nahm, dann wäre auch ich selbst perfekter, weniger fehlerhaft und damit weniger angreifbar.
  4. Ich glaubte, dass ich mich besser vor den Kommentaren und Bewertungen anderer Menschen schützen könnte, wenn ich mich selbst und das, was in meinen Körper hinein geht, nur gut genug kontrolliere. Ich wollte die „Disziplinierte“, „Gesunde“ und „Perfekte“ sein und bekam tatsächlich viel Anerkennung für mein gesundes Essverhalten. Doch je mehr Gewicht ich verlor, desto mehr wandelte sich die Anerkennung in Sorge und ich konnte viele Dinge, die bis zu einer gewissen Gewichtsabnahme noch gingen (zum Beispiel für Korsett-Designer modeln) plötzlich nicht mehr tun. Die einstige Bewunderung kehre sich in Mitleid um. Doch an diesem Punkt steckte ich schon zu sehr in meiner Essstörung, um es überhaupt noch zu bemerken.
  5. Ein Kernpunkt beim Kalorienzählen war auch, dass ich mir selbst überhaupt nicht vertraute und immer das Gefühl hatte, dass meine Wahrnehmung falsch sei. So versuchte ich mein fehlendes Selbstvertrauen mit dem Festhalten an diesen kleinen schwarzen Zahlen auf der Rückseite der Lebensmittelpackungen auszugleichen.

Die Wahrheit

Nichts von dem, was ich erreichen wollte, konnte mir das Kalorienzählen und Nährwerte checken jemals geben.

Die Zahlen waren einfach nur Zahlen.
Ich selbst gab Ihnen die Bedeutung und machte sie zum Barometer dafür, was ich essen durfte, wie viel ich mich dafür bewegen musste und wie ich mich fühlte.

In Wahrheit kontrollierten die Zahlen MICH.
Sie nicht einzuhalten oder nicht genau zu wissen, verunsicherte mich zutiefst.
Egal, wie „perfekt“ ich aß, ich fühlte mich nie „gut“, geschweige denn „perfekt“ genug.
Die Kommentare anderer Menschen kamen trotzdem, denn es ging nie um mein Gewicht oder Aussehen. Menschen, die mich kritisieren wollten, taten dies unabhängig von meinem Gewicht und in meinem energetisch geschwächten Zustand, konnte ich ihnen nicht einmal mehr etwas entgegensetzen.
Ich hatte all mein Vertrauen in die Zahlen gelegt und es dabei immer mehr in mich selbst und meinen Körper, dessen Signale ich eiskalt überging, verloren.

Zu verstehen, dass die Zahlen nicht die Lösung für meine Probleme waren, half mir, sie Schritt für Schritt loszulassen. Ich durfte lernen, mir meine wahren Probleme anzuschauen und echte Lösungen für sie zu finden. Ich lernte, was mir mein Verhalten eigentlich sagen wollte und was ich wirklich brauchte. Dadurch habe ich eine tiefe, vertrauensvolle Verbindung zu meinem Körper aufgebaut.

Zahlen spielen heute überhaupt keine Rolle mehr in meinem Leben. Sie sind verblasst, wie eine Sprache, die ich einst gelernt, aber dann nie wieder gesprochen habe. An ihre Stelle ist eine tiefe innere Sicherheit getreten und beim Einkaufen brauche ich heute nur noch wenige Minuten. 😊

Du möchtest auch endlich wieder Freiheit und Vertrauen in deinen Körper finden, dann stöbere dich gern durch die Angebote auf meiner Website.

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