Angehöärige Essstörung Unterstützung

Wie unterstütze ich einen Angehörigen oder Freund auf dem Weg aus der Essstörung?

Die Unterstützung durch Familie und Freunde trägt entscheidend zur Heilung der Essstörung bei

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig die Unterstützung durch geliebte Menschen auf dem Heilungsweg ist. Dabei ist es weniger entscheidend, ob es sich dabei um die eigene Familie oder einen engen Freund handelt. Wichtig ist vor allem das Gefühl bedingungslos geliebt und unterstützt zu werden, gerade dann, wenn die Essstörung besonders laut ist.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich während meiner Essstörung nicht gerade eine nette Zeitgenossin war und es besonders den Menschen, die mir nahe standen und mir helfen wollten, „schwer gemacht“ habe. Nicht weil ich das wollte, sondern weil die Krankheit so sehr ein Teil von mir war, dass ich zu dem Zeitpunkt gar nicht anders handeln konnte. Es war, als wäre mein wahres Ich von der Essstörung verschüttet worden. In vielen Momenten habe ich mich selbst nicht mehr erkannt. Ich war oft grantig, abweisend und gegen alles und jeden, der versuchte mich vom Essen zu überzeugen.
Doch gerade in solchen Momenten ist eine liebevolle Unterstützung besonders wichtig.

Essstörungen sind auch Kontrollstörungen und umso mehr mein Umfeld versuchte Kontrolle auszuüben, desto mehr versuchte ich meine Autonomie zu wahren und wehrte mich mit noch mehr Widerstand gegen das Essen. Hinterher tat mir mein Verhalten oft leid.
Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig die bedingungslose Liebe und Unterstützung meines Freundes in dieser Zeit war. Noch heute bewundere ich ihn für seine Geduld und Ruhe im Umgang mit mir. Er hat mein Verhalten nie persönlich genommen und dafür bin ich ihm unendlich dankbar.

Wie unterstütze ich einen geliebten Menschen bei einer Essstörung?

1. Liebevolle Unterstützung

Es ist schwierig, aber wichtig, dass du als Freund oder Familienmitglied eines Betroffenen nicht aufhörst, für ihn da zu sein und ihn dabei zu unterstützen, Hilfe zu bekommen.

Auch wenn es viele frustrierende Situationen geben wird, in denen du dich hilflos oder überfordert fühlst, ist es für den Betroffenen enorm wichtig zu fühlen, dass du an seiner Seite bleibst.
Drohungen deine Unterstützung oder gar deine Liebe zu entziehen scheinen manchmal der einzige Ausweg zu sein, doch das treibt den Betroffenen nur noch tiefer in die Essstörung. Noch stärkerer Rückzug und die Bestätigung von Glaubenssätzen wie: „Ich bin nicht liebenswert.“, oder „Ich bin eine Belastung“ können die Folge sein.

Menschen, die sich von einer Essstörung erholt haben, beschreiben oft, dass sie geliebt werden, dass an sie geglaubt wird und dass sie von ihren Liebsten nie aufgegeben wurden.

Deine Bemühungen, deine Liebe und deine Unterstützung sind entscheidend für die Genesung deines geliebten Menschen.

2. Konzentriere dich auf die Gefühle und deine Beziehung zu deinem geliebten Menschen

Häufig passiert es, dass der Fokus zu sehr auf das Essverhalten oder das Gewicht des Betroffenen gelegt wird.
Versuche, dich nicht nur auf die offensichtlichen Symptome der Krankheit wie Essensvermeidung, Essanfälle, Erbrechen oder das Wiegen zu konzentrieren, sondern die dahinterliegenden Gedanken und Gefühle zu verstehen.
Die Verhaltensweisen sind immer nur Symptome für das dahinterliegende Problem. Dein geliebter Mensch ist so viel mehr als die Essstörung. Sprecht auch über andere Dinge wie Hobbys, Zukunftswünsche, Träume oder was auch immer euch vor der Essstörung verbunden hat.
Wenn die Essstörung das einzige Thema ist, was euch verbindet, wird es für den Betroffenen umso schwerer diese loszulassen.

3. Vermeide Machtkämpfe

Aus Angst und Überforderung können die Emotionen schnell hochkochen. Menschen mit einer Essstörung sind oft gut im Argumentieren, um ihren Willen (bzw. den der Essstörung) durchzusetzen. Unstimmigkeiten sind unvermeidbar, aber versuche lange Diskussionen frühzeitig zu beenden, bevor die Emotionen hochkochen.
Sprich mit deinem geliebten Menschen offen über deine Beobachtungen, Gefühle und Sorgen, mache ihm aber keine Vorwürfe.
Versuche Schuld, Kritik und jegliche negative Energie zu vermeiden. Umso einfühlsamer du deine Nachricht überbringst, desto besser wird sie verstanden.

Wann immer du merkst, dass du oder dein geliebter Mensch zu wütend oder emotional wird, brich das Gespräch ab. Ihr könnt es jederzeit weiterführen, wenn sich die Gefühle wieder beruhigt haben. Alles Ausgesprochene wird besser vom Gegenüber angenommen, wenn du es ohne Negativität oder Wut sagst.

Versuche deine eigenen Emotionen wieder auf ein neutrales Level zu regulieren. Sprich dafür gegebenenfalls mit einer anderen Person und hole dir Unterstützung oder einen Rat. Danach könnt ihr versuchen euer Gespräch wieder aufzunehmen.
Anhaltende Machtkämpfe ohne ein positives Ergebnis sind ein Zeichen dafür, dass professionelle Hilfe von außen benötigt wird.
Denk immer daran: Die positive Beziehung aufrechtzuerhalten, ist extrem wichtig.

4. Suche dir selbst Unterstützung

Auf Essstörungen spezialisierte Beratungsstellen, Therapeuten oder Coaches können dir helfen besser zu verstehen, was passiert. Auch deine Ängste und Gefühle brauchen Raum und die Möglichkeit angesprochen und verarbeitet zu werden.
Du bist wichtig!

5. Selbstfürsorge

Umso besser es dir selbst geht, desto stabiler kannst du auch für andere da sein. Gönne dir qualitative Auszeiten, in denen du das tust, was dir guttut. Triff dich auch weiterhin mit deinen Freunden und pflege deine Hobbys. Vielleicht hast du das Gefühl rund um die Uhr für deinen geliebten Menschen da sein zu müssen. Doch wenn dein eigener Energietank leer ist, hast du auch keine Kraft mehr für jemand anderen.
Auch für den Betroffenen kann es hilfreich sein zu sehen, dass es noch andere Dinge im Leben gibt als die Essstörung.

6. Versuche ein Vorbild zu sein

Wie möchtest du, dass dein geliebter Mensch mit sich selbst, seinem Essen und dem Gewicht umgeht?
Versuche genau das vorzuleben:

  • Mache keine Diät und kein Intervallfasten
  • Iss eine große Bandbreite an Lebensmitteln und schließe keine Nährstoffgruppen aus (low carb, low fat, …) → auch Lebensmittel wie Pizza, Eis oder Schokolade gehören in Maßen zu einem ausgewogenen Lebensstil
  • Teile Essen nicht in „gut/gesund“ oder „schlecht/ungesund“ ein
  • Sprich positiv über das Essen, deinen eigenen Körper und den von anderen Menschen
  • Rede nicht darüber, wie viel du dich an einem Tag bewegt hast (wie viele Schritte du gegangen bist, wie viel Sport du gemacht hast etc.)
  • Iss regelmäßig etwas (z.B. alle vier Stunden)
  • Sprich darüber, dass es okay ist aus Appetit zu essen oder mehr zu essen, einfach, weil es so gut schmeckt
  • Entferne die Waage und sprich darüber, wie unwichtig die Zahl darauf ist. Der Fokus sollte immer auf der Gesundheit und nicht auf dem Gewicht liegen, da dieses kein Indikator für Gesundheit ist (siehe auch Health at Every Size/HAES)

Wenn du persönliche Unterstützung bei der Begleitung deines geliebten Menschen auf dem Weg aus der Essstörung in Anspruch nehmen möchtest, dann schreib mir.

Romy Hörbe

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