Was ich mit der Gewichtszunahme gewonnen habe

Das Schwierigste an der Recovery war für mich die Angst vor dem Zunehmen. Ich hatte das Gefühl, wahnsinnig viel zu verlieren: Meine Sicherheit, meine Kontrolle, meine Figur, die mein Kopf damals mit der „Essstörungsbrille“ sogar manchmal hübsch fand und meine Klamotten, die ich mir einst teuer gekauft hatte.

Doch solange ich mich nur auf den Verlust konzentrierte, hielt ich an der Essstörung fest. Als ich jedoch begann, mich darauf zu fokussieren, was ich alles gewinnen könnte und was mir „Ana“ genommen hat, schaffte ich es endlich loszulassen.

Am Anfang musste ich mich jeden Tag neu motivieren weiterzumachen: Genug zu essen, keinen Sport zu machen, auf mich aufzupassen …

Doch mit der Zeit bemerkte ich eine Veränderung in meinen Gedanken:
Auf einmal tauchte die Angst vor einem neuen Verlust auf.
Der Verlust meines Erfolges. Der Verlust von all dem, was ich inzwischen erreicht hatte.

An diesem Punkt wusste ich, dass es für mich KEIN ZURÜCK mehr in die Krankheit gibt. Durch meine Recovery hatte ich so viel gewonnen, was ich nicht wieder riskieren und verlieren wollte:

  • Mein Stoffwechsel hatte sich „repariert“ und ich konnte auf einmal viel größere Mengen essen, ohne davon weiter zuzunehmen. Mein Gewicht hatte sich eingepegelt :-D Während meiner ES reichte es, nur minimal mehr zu essen und ich nahm sofort zu. Gewichtszunahme trotz Verzicht und wenigen Kalorien? Das wollte ich nie wieder!! Dafür esse ich viel zu gern und bin viel zu sehr Genießerin.
  • Mein Gewicht begann sich auf meinen ganzen Körper zu verteilen und nicht mehr nur an den Bauch. Ich bekam meine femininen Kurven zurück. Mein Po, den ich mit Sport versucht hatte „rund“ zu trainieren, erhielt von ganz allein seine Form wieder.
  • Ich hatte plötzlich so viel Energie. Der Berg auf dem Heimweg, Schwimmen, Fahrrad fahren, die Arbeit mit den Kindern… alles, was ich mit meinem gesunden Körper wieder ausprobierte, ging plötzlich ganz leicht. Ich fühlte mich wie gedopt und habe manchmal geweint vor Glück über das, was auf einmal alles mit Leichtigkeit möglich war. Mein Körper war stärker als ich es je für möglich gehalten hätte.
  • Meine Periode kehrte nach fast sechs Jahren Pause endlich wieder zurück. Ich war lange froh diese “nervige Sache” nicht zu haben, aber die Nebenwirkungen einer ausbleibenden Regel sind sehr schädlich: z. B. Osteoporose und die Gefahr, keine Kinder mehr bekommen zu können.
  • Ich hatte gelernt auf die Signale meines Körpers zu hören und dankbar zu sein, dass er mir wieder meldete, wenn er Hunger hat.
  • Ich verlor mein schlechtes Gewissen, wenn andere weniger oder kalorienärmer aßen als ich. Ich akzeptierte, dass mein Körper seine ganz individuellen Bedürfnisse hat, einzigartig ist und nicht mit anderen verglichen werden kann.
  • Ich konnte plötzlich wieder so viel mehr empfinden. Ich fühlte mich lebendig.
  • Meine Haare wurden endlich wieder voller.
  • Ich fror viel weniger.
  • Ich gewann mentale Stärke und lernte, zu meinen „Makeln“ zu stehen, sie zu akzeptieren und mich genau so anzunehmen wie ich bin. Auf einmal konnte ich über die Delle an meinem Oberschenkel lachen. Dieser Moment war so unglaublich befreiend!
  • Ich bin mir selbst gegenüber freundlicher geworden und passe besser auf mich und meine Bedürfnisse auf.
  • Ich habe gelernt die Verantwortung für mich zu übernehmen und mein Leben aktiv selbst zu gestalten. Ich fühle mich selbstwirksam und das ist so viel mehr, als die vermeintliche Kontrolle, die mir die Essstörung je geben konnte.
  • Freiheit!

Heute weiß ich: Es gibt NICHTS, was mir die Essstörung geben kann und alles, was sie mir versprochen hat, war eine Lüge!

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