Extremhunger

Extremhunger verstehen – 5.000 Kalorien und immer noch hungrig

Stell dir vor, du warst minutenlang unter Wasser und konntest nicht atmen. Woran denkst du in diesem Moment? An deinen nächsten Urlaub? An die Arbeit? Nein – du denkst nur ans Atmen. Und was tust du, sobald du wieder an die Luft kommst? Du atmest wie verrückt – deutlich mehr und schneller als normal.
Genau das passiert bei Extremhunger. Nur, dass Essen dein Sauerstoff ist.

Meine überraschende Erfahrung mit Extremhunger

Jahrelang dachte ich, ich hätte gar keinen Extremhunger. Warum? Weil ich nach winzigen Portionen pappsatt war. Mein Stoffwechsel war so gedrosselt, dass mein Magen bereits nach ein paar Bissen rebellierte. Aber meine Gedanken? Die kreisten 24/7 nur ums Essen. Es war wie ein mentales Feuerwerk, das nicht aufhören wollte.
Ich kaufte ständig neue Kochbücher, scrollte stundenlang durch Instagram-Rezepte, speicherte What-I-Eat-In-A-Day-Videos und dachte, ich sei einfach ein „Foodie“. Heute weiß ich: Auch das war Extremhunger – nur eben in einer Form, die niemand als solche erkennt.

Direkt zur Episode #10 Extremhunger verstehen – 5.000 Kalorien und immer noch hungrig

Die drei Gesichter des Extremhungers

In meiner Arbeit als Recovery Coach habe ich gelernt: Extremhunger zeigt sich bei jedem anders. Es gibt drei Hauptformen, und die meisten Menschen, die ihren Körper in ein Energiedefizit gebracht haben, sei das durch eine strenge Diät oder eine Essstörung, erleben mindestens eine davon:

1. Körperlicher Extremhunger – Das Fass ohne Boden
Das ist die klassische Form, die viele kennen: Du kannst essen und essen und wirst einfach nicht satt. Viele meiner Coachees haben mehrere Monate täglich 5.000 bis 8.000 Kalorien gegessen – manche sogar bis zu 10.000. Weil ihr Körper so sehr im Mangel war, dass er nach diesen Mengen verlangte.
„Ich bin nur noch am Essen“, erzählten sie mir. Der Bauch war voll, aber der Körper schrie nach mehr. Diese Zahlen machen Angst, ich weiß. Aber sie sind normal und vor allem: zeitlich begrenzt.

2. Mentaler Extremhunger – Die Gedankenspirale
Das war meine Form: ständige Gedanken ans Essen, auch bekannt als „Food Focus“. Kochrezepte durchwühlen, Kochshows schauen, von Essen träumen. Bereits ans nächste Essen denken, während du noch den Teller vor dir leerst.
Überlegen, was du tun musst, um wieder essen zu „dürfen“.
Früher dachte ich, das sei meine Leidenschaft fürs Essen. Heute weiß ich: Es war mein Körper, der um sein Überleben kämpfte – indem er mich ständig daran erinnerte, mich mit Essen zu beschäftigen.

3. Reaktiver Extremhunger – Die verzögerte Antwort
Vielleicht kennst du das: Du hast keinen Hunger, fängst an zu essen – und plötzlich kickt der Hunger so richtig rein. Als hätte jemand eine Schleuse geöffnet. Das hat mich morgens regelmäßig kirre gemacht: Ich war nach dem Frühstück hungriger als zuvor und verstand lange Zeit nicht, wie das möglich war.
Der Grund? Nach langem Hungern kostet es deinen Körper Energie, Hungersignale zu senden. Er testet mit dem ersten Bissen: Bin ich in einer sicheren Umgebung mit genug Nahrung? Wenn ja, dann lässt er die Fluttore öffnen.

Warum passiert das überhaupt?

Extremhunger ist die Reaktion deines Körpers, um sich nach einer Hungerphase selbst zu heilen. Nach Wochen, Monaten oder Jahren der Restriktion schaltet er in den Überlebensmodus.

Früher, als wir noch von Ort zu Ort wanderten, war das überlebenswichtig. Bei Nahrungsknappheit aktivierte der Körper das Nahrungssuchverhalten und den Bewegungsdrang, um uns zu einem Ort mit ausreichend Nahrung zu bringen. Dort angekommen, aßen unsere Vorfahren dann mehr als normal – so lange, bis alle Energiespeicher aufgefüllt und alle Schäden repariert waren.
Dein Körper weiß nicht, dass du „freiwillig“ zu wenig isst. Er denkt: Hungersnot! Und aktiviert diese uralten Überlebensmechanismen.

Die größten Ängste – und die Wahrheit dahinter

„Was, wenn es nie aufhört?“
Das ist DIE Angst schlechthin. Aber hier die beruhigende Wahrheit: Extremhunger ist zeitlich begrenzt. Er endet, sobald dein Körper wieder Sicherheit erlangt hat und aus dem Energiedefizit raus ist.

„Was, wenn ich endlos zunehme?“
Keine meiner Coachees hat endlos zugenommen. Das Gewicht hat sich bei allen eingependelt. Dein Körper hat kein Interesse daran, seinen Set Point (eigentlich handelt es sich hier eher um eine Set Range, in dem das Gewicht sehr stabil um ca 3kg schwankt) zu über- oder zu unterschreiten.

„Rutsche ich ins Binge-Eating ab?“
Nein! Der entscheidende Unterschied: Binge-Eating dient vor allem der emotionalen Regulation und es ist keine „Hungersnot“ vorausgegangen. Extremhunger entsteht durch biologische Bedürfnisse – durch echten Mangel. Wenn du eine Geschichte von Restriktionen hast, sind dein starker Hunger und deine Gedanken ans Essen weder Binge Eating noch emotionales Essen.

„Extremhunger im Normalgewicht – wie kann das sein?“

Der BMI sagt nichts über dein persönliches gesundes Gewicht aus. Wenn dein Körper natürlicherweise einen BMI von 23 hat, du aber bei 19 oder 20 bist, dann bist du für deinen Körper immer noch untergewichtig. Nur 6% der Betroffenen von Essstörungen landen überhaupt im klassischen Untergewicht.

Meine Erste-Hilfe-Strategien für dich

Nach hunderten Coaching-Stunden habe ich gelernt, was wirklich hilft:
1. Verstehe, dass es normal ist
Dein Körper ist nicht kaputt. Er heilt. Er tut genau das Richtige.
2. Gehe deinem Hunger nach
Je mehr du ihm nachgehst, desto schneller geht er vorbei. Ich weiß, es fühlt sich kontraintuitiv an. Aber es ist wie beim fast Ertrunkenen – würdest du ihm sagen: „Atme nicht so viel auf einmal“?
3. Minimiere Bewegung
Auch deinen geliebten Sport. Bewegung unterdrückt Hungersignale und verlängert die Phase des Extremhungers. Meine Sportpause von einem dreiviertel Jahr war die beste Entscheidung.
4. Reduziere Trigger
Verbanne die Waage. Wirf dich in weite Klamotten. Vermeide Spiegel. Mach es dir nicht schwerer als nötig.
5. Vergleiche dich nicht
Was „normale Menschen“ essen, hat nichts mit deinem Heilungsprozess zu tun. Sie waren nie in einem solchen Energiedefizit.

Das Wichtigste zum Schluss

Extremhunger fühlt sich an, als würde er für immer anhalten. Aber das tut er nicht. Dein Körper will nicht endlos zunehmen. Er will nur heilen.
Mit jedem Bissen, mit jedem Ja zu deinem Hunger sagst du auch Ja zum Leben. Dein Körper schreit nach Leben – und du darfst ihm antworten. Wichtig ist, nicht zu früh aufzuhören, nur weil du denkst, es müsste doch jetzt genug (Essen oder Gewicht) sein! Dein Körper allein kann entscheiden, wann er genug bekommen hat.

Gern bin ich für dich da und gehe diesen herausfordernden Weg gemeinsam mit dir. Du verdienst es, komplett frei zu sein und deinem Körper wieder zu vertrauen. 🩷 Schreib mir einfach oder suche dir einen Termin für einen kostenfreien Disvovery Call aus.

Alles Liebe 🌸
Deine Romy

P.S.: In meinemFind your SATT-isfaction“ Kurs gehe ich noch ausführlicher auf alle Hintergründe ein und gebe dir meine komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung an die Hand. 

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