Vor nicht einmal 7 Jahren saß ich nach einem erneuten Rückfall verzweifelt auf meinem Bett. Meine Gedanken kreisten fieberhaft um die eine Frage: Wie konnte ich mich endlich – wirklich – FÜR das Loslassen meiner Essstörung und damit auch FÜR das Leben entscheiden?
Über zwei Jahrzehnte hatte ich mein Leben aus einer tief verborgenen inneren Überzeugung heraus geführt: dass ich nicht lebendig sein dürfte.
Die Waage zeigte an diesem Tag erneut ein Gewicht, das mich vom Leben ein weiteres Stück entfernte…
Der kleine Funke der Veränderung
Doch da war auch ein kleiner Teil in mir, der etwas ganz Essenzielles verstanden hatte: Die innere Überzeugung, mit der ich durchs Leben ging, war nicht mehr das, was ich weiter leben wollte. Und obwohl meine Essstörung erleichtert war, wieder eine niedrigere Zahl auf der Waage zu sehen, spürte ich gleichzeitig eine tiefe Enttäuschung in mir.
Dieser kleine gesunde Anteil in mir – mein „gesundes Ich“, wie ich heute in meiner Arbeit als Recovery Coach sage – nahm in diesem schlüsselhaften Moment einen Stift zur Hand. Er suchte ganz tief in sich nach etwas, wofür es sich lohnen würde, die alte Überzeugung final loszulassen. Daraus entstanden unter anderem die folgenden Gründe zu leben.
Gründe, warum ich leben möchte:
💕 Ich möchte gesund werden und aus dieser langen Erkrankung ganz viele Erfahrungen mitnehmen, die ich auch anderen mitgeben kann, damit sich keine Frau so schrecklich fühlt, wie ich jetzt gerade.
💕 Ich möchte noch etwas Sinnvolles in meinem Leben anstellen. Meine Aufgabe hier ist noch nicht erfüllt.
💕 Ich habe viel zu geben, aber das geht nur, wenn ich selbst gesund bin und den Kopf frei von der ES habe.
💕 Ich möchte Wärme, Lebensfreude, Leichtigkeit und Liebe fühlen und weitergeben.
Diese Worte markierten einen Wendepunkt. Nicht, weil ich plötzlich geheilt war – der Weg dahin war noch lang und herausfordernd. Aber weil ich zum ersten Mal eine Entscheidung FÜR mich und FÜR mein Leben getroffen hatte, statt gegen die Essstörung zu kämpfen.
Der Kreis schließt sich
Heute, Jahre später, erreichte mich eine Nachricht, die mich zutiefst berührte. Eine ehemalige Klientin schickte mir eine WhatsApp-Nachricht, um mir zu sagen, was meine Begleitung für sie bedeutet hatte:
„Ich wollte mich nicht nur für deine Hilfe bedanken, dass du mir aus der Essstörung geholfen hast, sondern einfach für diese Zeit, für diese Lebensfreude. Es war einfach so schön, und dafür wollte ich mich bedanken. Und ich wollte auch, dass du weißt, dass du nicht nur eine Person bist, die Leuten aus der Essstörung hilft, sondern die Leuten wirklich ein schönes Lebensgefühl gibt.“
Als ich diese Worte hörte, wusste ich: Ich hatte mein Versprechen an mich selbst eingelöst. 🥹
Transformation ist immer möglich
Lebendigkeit auszustrahlen, dieses Gefühl vermitteln zu können und diese tiefe Verbundenheit mit dem Leben auch an meine Klientinnen weitergeben zu können – berührt mich zutiefst. 🥲
Es zeigt, dass tiefe Transformation auch nach 20 Jahren mit der Essstörung noch möglich ist.
Was mich damals aus der tiefsten Dunkelheit geführt hat, war dieser kleine Funke in mir, der nie ganz erloschen war.
Diesen Funken sehe ich in jeder Person, die zu mir kommt. Manchmal ist er fast nicht mehr zu erkennen, verborgen unter Jahren von Selbstzweifeln, Scham und Kontrolle. Aber er ist da.
Jeder von uns trägt diese innere Kraft in sich, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Wenn du spürst, dass da mehr in dir steckt, als die Essstörung dir erlaubt zu leben – vertraue diesem Gefühl. ✨
Dein Funke
Was ist der Funke in dir, der niemals erlischt?
Vielleicht ist es dein Wunsch, wieder frei lachen zu können. Vielleicht ist es deine Sehnsucht, tief verbunden zu sein – mit dir selbst und anderen. Vielleicht ist es dein Traum, etwas in der Welt zu bewirken.
Egal wie lange deine Essstörung schon Teil deines Lebens ist – Veränderung ist möglich. Nicht weil ich es sage, sondern weil du diesen Funken in dir trägst. Genau wie ich damals.
Wenn dieser Beitrag dich berührt hat und du den Wunsch spürst, mehr über deinen eigenen Weg in die Freiheit zu erfahren, lade ich dich ein, mir zu schreiben oder einen Blick in meine Angebote zu werfen. Denn jede Recovery-Reise beginnt mit einem kleinen, mutigen Schritt.




